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Israel Löwenstein

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00:00:00 Herkunft

00:09:13 Zionistische Jugendbewegung

00:15:17 Deportation/Selektion

00:17:10 Alltag & Überleben im KZ Buna/Monowitz

00:32:25 Todesmärsche/Befreiung

00:40:04 Nachkriegszeit

00:50:42 Verhältnis zu Deutschland

„Die ersten Tage sind die schwersten. Man steht nackt, glatzköpfig und auch sonst rasiert, vor Kälte und Furcht zitternd, und erkennt einander kaum. Die ersten unserer Chawerim werden in die Krankenstation geschickt.“[1]

 

Jürgen Löwenstein wurde am 28. März 1925 in Berlin als Jürgen Rolf Sochaczewer geboren. Seine Mutter Paula heiratete Walter Löwenstein, der ihn später adoptierte. Er wuchs in armen Verhältnissen auf, sein Vater war Arbeiter. Die Mutter versuchte, dazu zu verdienen, bedrängt von Sorgen über die Zukunft der Familie. Walter Löwenstein hatte im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient und wurde noch 1935 mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer des Weltkrieges ausgezeichnet. Er glaubte, der deutsche Antisemitismus richte sich nur gegen die Ostjuden, und lehnte jeglichen Kontakt mit diesen noch 1938 ab, als die Familie Löwenstein gezwungen wurde, ihre Wohnung in Berlin-Mitte aufzugeben und ins Scheunenviertel zu ziehen.

 

Jürgen Löwenstein konnte 1935 an einer von der Jüdischen Gemeinde Berlin unter der Leitung Norbert Wollheims organisierten Jugendfreizeit nach Horserød in Dänemark teilnehmen und sich endlich einmal satt essen. Auf dieser Fahrt entstand ein Foto des kleinen Jürgen mit seinem Koffer auf der Schulter, wahrscheinlich aufgenommen von Norbert Wollheim. In Berlin hatte Jürgen jüdische und christliche Freunde. Nachdem er wegen eines Ausschlags 1938 von den Kindertransporten nach England zurückgestellt worden war, sah er seine letzte Chance, Deutschland zu verlassen, in der Auswanderung nach Palästina. Im September 1939 ging er auf Hachschara, zunächst in Schniebinchen in der Niederlausitz, dann nach Rüdnitz bei Bernau, nach Eichow-Mühle und schließlich nach Ahrensdorf, da die Hachschara-Lager eins nach dem anderen geschlossen wurden. Als 1941 die Hachschara von den Nationalsozialisten verboten wurde, schickten sie Jürgen in das Arbeitslager Paderborn. Von dort wurden am 3. März 1943 die letzten 60 jungen Männer und 40 jungen Frauen der deutschen Jugend-Aliya nach Auschwitz deportiert. Von ihnen überlebten 13 Männer und eine Frau. Jürgen Löwensteins Eltern wurden am 3. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

In Auschwitz wurden die Männer aus Paderborn in das KZ Buna/Monowitz geschickt, ihr freundschaftlicher Zusammenhalt hatte im KZ Bestand, einer half dem anderen. Jürgen Löwenstein wurde krank und in den Krankenbau des Stammlagers Auschwitz I verlegt, von dort kam er in das Nebenlager „Eintrachthütte“ bei Świętochłowice zur Zwangsarbeit in einer FLAK-Fabrik. Im Januar 1945 wurde er auf den Todesmarsch ins KZ Mauthausen getrieben. Er musste weiter nach Wien zur Zwangsarbeit in den Saurer-Werken und im April 1945 zurück nach Mauthausen und zuletzt ins KZ Gusen, wo er durch die U.S. Army befreit wurde.

 

Für Jürgen Löwenstein war klar, dass er nach Israel gehen wird. 1949 wanderte er über Italien in Israel ein und ging in den Kibbutz Dorot im Negev. 1951 gründete er, der sich nun Israel Löwenstein nannte, mit seiner Frau Chana und anderen ungarischen Holocaust-Überlebenden den Kibbutz Yad Hanna, benannt nach Hanna Senesh. Hier leben und arbeiten sie seitdem, ihre drei Töchter sind hier geboren.

(MN)



Quelle

Israel Löwenstein, Lebensgeschichtliches Interview [Dt.], 27.7.2007. Archiv des Fritz Bauer Instituts, Norbert Wollheim Memorial.

 

Literatur

Löwenstein, Israel (Jürgen): Ich habe ein Zuhause gefunden. In: „Wer hätte das geglaubt!“ Erinnerungen an die Hachschara und die Konzentrationslager. Schriftenreihe des Evangelischen Arbeitskreises Kirche und Israel in Hessen und Nassau, Heft 16, Heppenheim: 1998, S. 28–32.

[1] Israel (Jürgen) Löwenstein: Ich habe ein Zuhause gefunden. In: „Wer hätte das geglaubt!“ Erinnerungen an die Hachschara und die Konzentrationslager. Schriftenreihe des Evangelischen Arbeitskreises Kirche und Israel in Hessen und Nassau, Heft 16, Heppenheim: 1998, S. 28–32, hier S. 32.