Glossar

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Alexander Feingold (*1924)

Alexander Feingold vor der Fototafel'seiner Familie, 2008'© Jessica Schäfer
Alexander Feingold vor der Fototafel
seiner Familie, 2008
© Jessica Schäfer
Die Brüder Joseph, Alexander und Henryk'Feingold, Kielce, 1936/37. 'Fototafel im Park des I.G. Farben-Hauses,'Frankfurt am Main'© Fritz Bauer Institut
Die Brüder Joseph, Alexander und Henryk
Feingold, Kielce, 1936/37.
Fototafel im Park des I.G. Farben-Hauses,
Frankfurt am Main
© Fritz Bauer Institut

„I don’t want to talk about it too much … I am glad I have it from my chest. It is very important that it is shown to future generations. I think it should be shown to people who are not Jewish… It did happen, and I was there to witness it.“[1]

 

Alexander Feingold wurde am 25. September 1924 in Warschau geboren. Sein Vater Aron Feingold besaß eine Fabrik für Holzartikel und seine Mutter Rachela arbeitete im Verkauf. Alexander hatte zwei Brüder, den älteren Joseph und den jüngeren Henryk. Er selbst besuchte zunächst eine jiddische Schule in Warschau, bis die Familie 1932 nach Kielce umzog und Alexander Feingold auf die dortige polnische öffentliche Schule wechseln musste. Er war der einzige Jude in einer Klasse mit 60 Schülern und wurde von seinen Mitschülern viel beschimpft. Seine Eltern waren Mitglied beim „Bund“, Alexander Feingold und seine Brüder waren in dessen Jugendorganisation. Am Freitag, dem 1. September 1939, fielen Bomben: Vor dem Einmarsch der Deutschen flohen Alexander, Joseph und Aron Feingold zunächst, kehrten aber nach einiger Zeit nach Kielce zurück. Die Familie wurde auseinandergerissen: Sein Vater wurde verhaftet, Joseph entkam in die sowjetisch besetzte Zone. Alexander wurde mit seinem Bruder Henryk und seiner Mutter im Frühjahr 1941 gezwungen, ins Ghetto in Kielce zu ziehen. Alexander Feingold konnte weiter als Angestellter in der ehemaligen Fabrik des Vaters arbeiten und hatte so Zugang zu besserer Lebensmittelversorgung.

 

Seine Pläne, sich dem polnischen Untergrund anzuschließen, wurden im Mai 1943 verraten. Gemeinsam mit seinem Cousin Leon wurde er zur Arbeit in einer Munitionsfabrik gezwungen. Beide flohen, aber weil ihnen niemand half, kehrten sie schließlich wieder nach Kielce zurück. Später erfuhr er, dass seine Mutter und sein Bruder Henryk nach Treblinka gebracht und ermordet worden waren. Im August 1944 wurden die verbleibenden Ghettobewohner nach Auschwitz deportiert, Alex und Leon kamen ins KZ Buna/Monowitz. Alexander Feingold wurde zum Bau von Flugabwehrräumen eingesetzt, meldete sich freiwillig zum Bombenentschärfen und erhielt dafür ausreichend Brot und Tabak. Er teilte seine Rationen immer mit Leon.

 

Das Lager wurde im Januar 1945 von der SS geräumt. Auf dem Todesmarsch wurden die Häftlinge in Viehwaggons durch die annektierten Gebiete der Tschechoslowakei und Österreichs nach Deutschland transportiert. Überall waren die Konzentrationslager überfüllt, zu essen gab es kaum zwei Mal in der Woche. Vor Dresden sahen sie das große Bombardement, schwach, wie sie waren, sangen und tanzten sie bei dessen Anblick. Alexander Feingold kam ins Arbeitskommando nach Ellrich, ein Außenlager des KZ Mittelbau-Dora, etwa 10 km von Nordhausen entfernt. Geschwächt von Durchfall wurde er nach vier Wochen ins KZ Bergen-Belsen gebracht, wo er im April 1945 von den Briten befreit wurde, aber noch bis Februar 1946 im Krankenhaus lag.

 

Alexander Feingold zog nach Frankfurt am Main, wo er seinen Vater und seinen Bruder Joseph wiedertraf: beide waren aus Sibirien zurückgekehrt, nach Polen repatriiert worden und vor dem offenen Antisemitismus nach Deutschland geflohen. Alexander Feingold emigrierte 1947 in die USA, wo er die Schule abschloss, Architekt wurde und im Jahr 1966 heiratete. Mit seiner Frau Diana (geb. Coon) hat er drei Söhne. Heute lebt Alexander Feingold in New York. Seinem Vater und seinem Bruder, die ebenfalls in den vierziger Jahren in die USA kamen, hat er nie von seinen Erlebnissen erzählt.

(SP)

 

 

Fototafel von Alexander Feingold



Quelle

Alexander Feingold, Lebensgeschichtliches Interview [Eng.], 26.7.1995. USC Shoah Foundation Institute, Survivors of the Shoah Visual History Archive, Code 4383.

[1] Alexander Feingold, Lebensgeschichtliches Interview [Eng.], 26.7.1995. USC Shoah Foundation Institute, Survivors of the Shoah Visual History Archive, Code 4383.